50 einfache Schritte zur Selbstversorgung

Fragen & Antworten

I Warum ist diese Sammlung für Selbstversorgung coool?

1. Grund Empowerment. Es geht hier darum "sich gegenseitig zu befähigen". Die Produktion (Erzeugung, Umwandlung) von Gütern ist Grundfrage des Lebens und der gesamten Gesellschaft. Mit dem low-tech-Ansatz für Produktion wollen wir jedeN befähigen Wohlstand selbst zu schaffen. Je einfacher eine Produktion ist, desto mehr Menschen können sie meistern und sich von Fremd- hin zur Eigenproduktion befreien.

2. Grund Magie der crowd. Das Internet bietet ein riesiges Potenzial für eine neue Wissensallmende, die eine andere Wirtschaft (und Wissenschaft) bedeuten kann. Viel ist möglich, wenn praxisnahes Wissen offen fair-teilt wird. Etwa: Wie ist Selbstversorgung möglich? Wie hoch sind Erträge oder Zeitaufwand? Dieses Wissen liegt bereits verteilt (dispers) vor. Wird es nun vernetzt und systematisiert, kann das Fairänderungspotenzial entfaltet werden. Ziel ist dezentral-vernetzte-lokale Eigenproduktion (wie in Ökodörfern) weiter zu stärken, was Wohlstand für mehr Menschen zur Verfügung stellt. Generelles Ziel ist Wirtschafts- bzw. Technikdemokratie.

3. Grund: Wissen bedeutet Rationalität. Wissen ist "Zeit". Je mehr Wissen (Erfahrung) jemand hat, desto schneller kann eine Aufgabe erledigt werden (Zeit-Ersparnis durch Routinisierung, vgl. Berger/Luckmann 2004, S.56 f.). Wissen ist auch "Ertrag". Je mehr Wissen jemand hat, desto größer ist die Chance ein Ziel zu erreichen und auch in der Quantität/Menge zu steigern, z.B. Salatanbau in Pflanzentaschen, die an Zäunen hängen.

II Um welches "Wissen" geht es genau hier? (Warum ist Wissen wichtig? Welches Wissen ist "wichtig"?)

In der Informations- und Innovationsgesellschaft ist Wissen der "Basisrohstoff" für die Wirtschaft. (Fast schon wichtiger als materielle Rohstoffe).

Um Alltagswissen oder deskriptives Wissen "Ich weiß, dass der Himmel heute xy ist." geht es hier nicht. Hier geht es um wertschöpfendes Praxis-Wissen ("Der Prozess a läuft unter den Voraussetzungen c,d,e etc. [Umfeld, Ressourcen, Instrumenten etc.] auf das Ziel x mit den Folgen e bzw. dem Ertrag f,g,h zu den Kosten z,y,x"). Dieses Wissen schafft Werte. Es bietet die Chance den Nutzen durch Transformation (Stoffwechsel-Prozess) zu steigern.

Dieses Wissen bezeichnen wir es als "KnowHow" (Knoffhoff). Es existiert nicht einfach soo. Es wird geschaffen (Poiesis) und in Form gebracht (Information-sbildung). UrheberInnen können über ihr Wissen wie folgt entscheiden: entweder schützen sie es exklusiv durch Patente oder sie stellen es offen zur Verfügung (woran "50 Schritte" arbeitet). Alltagswissen (Klatsch und Tratsch, Gossip), ExpertInnen-Wissen und KnowHow bestehen im www-Netz. Für 50 Schritte werde ich Wissen auswählen, dass a) kein Gossip und b) kein Hightech-Wissen, sondern c) wertschöpfendes Wissen, das für Selbstversorgung prinzipiell von allen eingesetzt werden kann. Ein möglicher "Modus vivendi" zur Veröffentlichung und Rationalisierung von Wissen zu KnowHow ist wikipedia-Technik und der "Taylorismus" (mit noch mehr Fantasie kann auch Jürgen Habermas mit seinen Vorstellungen von kommunikativer Rationalisierung herangezogen werden.)

Das gesammelte Wissen kann auch als reflexiv markiert werden. Bewusstes Handeln (tacit knowledge) in Form (Information) von Bauplänen zu versprachlichen, zu formulieren und zu formalisieren ist reflexive Praxis.
"Wenn Ptah-hotep, Wesir ds Königs Issi, ungefähr 2700 vor Christi Geburt "bewährte Praktiken" des Pyramidenbaus auf Papyrusrollen festhielt, dann war dies das Resultat einer, wie wir heute sagen würden, Reflexion auf die Strukturation des Pyramidenbaus, die in der Formulierung [sprachlichen Explikation] von Regeln und regelmäßigen Praktiken mündete." (Ortmann, Sydow, Windeler, Organisation als reflexive Strukturation, Seite 316).





III Warum ist Selbstversorgung (SV) wichtig? Und warum Open Source (OS)? Warum die Verbindung von SV und OS?

Es geht darum Produktion/Wertschöpfung/Wirtschaft zu verstehen. Wirtschaft ist Grundlage unseres Lebens. Wer sie versteht und weiß wie Werte entstehen, kann selbstbestimmt leben. "Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing" Dieses Zitat (und Lebenserfahrung) spielt dann keine Rolle. Ein weiteres Zitat ist folgendes: "Es geht nicht um ein Stück vom Kuchen. Es geht um die ganze Bäckerei." Wer die Bäckerei versteht, braucht nicht mehr Umverteilungskämpfe um kalorienreiche Kuchen führen.

IV Wie realisierbar ist Selbstversorgung? Welche Selbstversorgung? Wo liegen die Grenzen von SV?

Das hängt von einigen Faktoren ab. Von der Ausgangsituation, von der Erfahrung, Fähigkeiten und Lernbereitschaft (Kompetenz), von den Ressourcen, vom (begünstigenden oder hemmenden) Umfeld, von den Instrumenten/Werkzeugen/Technologien, von der mithelfenden Gruppe, von der Menge und Qualität offenen Wissen, das hier und an anderen Orten und Menschen bereitgestellt wird, von der Struktur deiner Bedürfnisse und und und

Ein Beispiel: Selbstversorgung für radfahrende VeganerInnen ist wahrscheinlicher als für "herkömmlich" Konsumierende.

V Wie realistisch ist Selbstversorgung etwa in Berlin? Welche Fähigkeiten brauche ich?

Das hängt auch davon ab, wie sich dieses Projekt und die Selbstversorgungspraxis entwickelt.

VI Wer betreibt diese Seite? ViSdP

Nikolai Wolfert, c/o Leila, Fehrbelliner Str. 92, 10119 Berlin

Email für Abmahnungen: nikolai (at) leila-berlin (punkt) de

VII Welche Ziele verfolge ich?

Ich möchte Menschen befähigen selbst Wohlstand zu erzeugen. Je einfacher eine Technik, desto mehr Menschen können sie meistern. Ausserdem ist es mir wichtig zu zeigen, dass Selbstversorgung einfach und produktiv sein kann. Das Ziel ist nicht 100% Selbstversorgung, aber 95% ;)

Ausserdem halte ich die Unterscheidung in Produzierende/Unternehmende und Konsumenten/Lohnarbeit aus vielen Gründen für problematisch. Ziel könnte es sein PROSUMENTEN zu stärken.

Weitere Ziele stichwortartig: Wirtschaftsdemokratie, Wohlstand für alle, empowerment, Stichworte: Eigenversorgung-Postwachstum-Niko Paech

Meine aktuelle Selbstversorgung bei Lebensmitteln liegt bei ca. 0,4%. Die moderne Gesellschaft steht auf den "Schultern von Riesen". Sie ist durch Technik und Fortschritt riskant geworden (Ulrich Beck). Eine Wirtschaft, die sich rückbesinnt und auf Natur und Mensch erdet, ist notwendig. Dafür ist Selbstversorgung ein möglicher Weg.

VII Wie finanziert sich dieses Projekt?

Hier ist alles low-budget. 1 Euro kostet die Domain pro Monat. Die wichtigste Ressource ist Wissen, dass durch deine Bauanleitungsbeiträge hier einfliessen kann.

VII Wie bin ich auf diese Idee gekommen?

Stichworte: Das Buch "50 Dinge, die sie tun können" (hrsg.) von Ines Pohl ist zu wenig praktisch. Das Buch "So geht das!" ist lustig und gut für Anleitungen, aber keine Selbstversorgung. Das Buch "Marke Eigenbau" ist wegweisend, aber es wird nicht anleitend (didaktisch) und praktisch. Das Buch "50 einfache Umwelt-Tipps" für den Alltag (Gerd Pfitzenmaier, Brigitte Schmelzer) ist didaktisch gut, aber nicht umfassend.und nicht low-tech oder Selbstversorgungsorientiert etc. Projekte wie Prinzessinnengarten, DIY-Cultur am Beta-Haus, TransitionTown bedeutet "Dinge in die Hand" zu nehmen.

VII Wie stelle ich mir die Zukunft vor?

In Zukunft wäre es super, wenn diese Seite wie eine Wissensallmende funktioniert. Sie steuert sich über Selbstregulation aller Mitglieder. Die Fortentwicklung dieser low-tech-Knowhow-Sammlung kann durch open source-Kooperation stattfinden.

VIII Für wen ist diese Seite interessant?

Prinzipiell für alle. Praktisch für SelbstversorgerInnen-Gruppen, die starten möchten.

IX Warum sollte dieses Projekt unterstützen werden?

Antwort folgt

X Wie hängen Produktion und Bedürfnisse miteinander zusammen?

Sie hängen enger zusammen als uns bewusst ist. Ein schöner Beitrag dazu: "Von wahren und falschen Bedürfnissen" Otto Peter Obermeier, Seite 49, in: Bedingungen und Triebkräfte technologischer Innovationen. acatech DISKUTIERT: 2007

Herzliche Grüße Nikolai